Makroökonomie

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Drohende Wolken am Horizont

 

Das Gespenst eines Handelskrieges schwebt seit Wochen über den Märkten, ohne sie jedoch aus der Bahn zu werfen. Die Berichtssaison der Unternehmen, die nach den USA nun in Europa beginnt, ließ hoffen, dass die Nachrichten aus den Unternehmen zeitweilig die Oberhand über Geopolitik und Makroökonomie gewinnen könnten. Letztlich ist dies aber nicht wirklich der Fall.

Sicherlich haben die Unternehmenszahlen die Aktienmärkte belebt. Dies gilt vor allem für die Schwergewichte aus den USA: Nach ersten durchwachsenen Zahlen aus dem Bankensektor wurden die Ergebnisse von Bank of America, Goldman Sachs und Morgan Stanley positiv aufgenommen. Den gleichen Kontrast gab es im Technologiesektor: Netflix, dessen Abonnentenzahlen erstmals enttäuschten, geriet ebenso wie eBay, das seine Prognosen nach unten korrigierte, schwer unter Beschuss. Microsoft überraschte dagegen insbesondere dank seiner Cloud-Aktivitäten positiv, und auch IBM gab keinen Grund mehr zur Sorge. Insgesamt wurden die Enttäuschungen stärker abgestraft, als die schönen Überraschungen positiv aufgenommen wurden. Ähnlich ist die Lage in Europa: Die guten Ergebnisse von SAP und Alstom wurden von den Märkten nicht „abgekauft“, wohingegen Publicis und Stora Enso unter Druck gerieten. Das Phänomen ist bei Small und Mid Caps noch ausgeprägter. Die schlechten Ergebnisse von Husqvarna und Dormakaba sowie die Gewinnwarnung von Wessanen ließen diese Titel um mehr als 15 % einbrechen. Dieser seit einigen Quartalen zu beobachtende Trend an den Märkten scheint sich zu verstärken. Er verschärft das Umfeld einer starken Dekorrelation im Aktienbereich.

Die Geopolitik stellt jedoch immer noch eine Bedrohung dar. Durch seine Kritik an der Geldpolitik der US-Notenbank und seinen Wunsch nach einem schwächeren Dollar sorgte Präsident Trump für eine Abwertung des Greenback, während die Äußerungen des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell vor dem Parlament noch zu einer Aufwertung geführt hatten. Donald Trump sorgte vor allem gegen Ende der Woche mit seinen Aussagen über die möglichen Strafzölle auf chinesische Importe für Aufsehen. Es könnte hier um Waren im Wert von rund 500 Milliarden Dollar gehen. Zu alledem kam auch noch das hektische Umfeld in Asien hinzu: Nach der Veröffentlichung einiger leicht unter den Erwartungen liegender Konjunkturindikatoren zu Beginn der vergangenen Woche setzt China mit jedem weiteren Fixing die Abwertung des Yuan fort. Europa sieht dem jedoch nicht tatenlos zu. Während Jean-Claude Juncker im Vorfeld seines Treffens mit Donald Trump am kommenden Mittwoch Entschlossenheit zeigt, festigt die Europäische Kommission die Bande mit ihren anderen Handelspartnern. Insbesondere wurde offiziell die Errichtung einer riesigen Freihandelszone mit Japan verkündet.

Insgesamt war es also eine ereignisreiche Woche. Auch wenn die Ergebnisse der Unternehmen das Augenmerk der Analysten auf sich zogen, waren sie nicht imstande, die Geopolitik vom Steuerruder der Märkte zu verdrängen.

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