Makroökonomie

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Was kommt nach den Midterms?

 

Von Olivier de Berranger, Chief Investment Officer und Enguerrand Artaz, Cross Asset Manager La Financière de L‘Echiquier.

 

Angesichts der Ergebnisse bei den US-Zwischenwahlen lässt sich kaum von einer „blauen Welle“ sprechen (Blau ist die traditionelle Farbe der Demokratischen Partei). Zwar hat das demokratische Lager erwartungsgemäß die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückerobert, aber der Senat steht weiterhin unter der Kontrolle der Republikaner, die sogar noch zwei Sitze hinzugewannen. Das Machtgleichgewicht in den USA wird durch dieses Ergebnis leicht verändert. Dies hat mehr oder weniger direkte Auswirkungen auf die Märkte.

Zunächst hatte Donald Trump im Zuge des Wahlkampfs für die Midterms weitere Steuersenkungen angekündigt. Die demokratische Mehrheit erstickt dieses Ansinnen, das wohl auch im republikanischen Lager auf Widerstand gestoßen wäre, im Keim. Eine solche Maßnahme hätte den Inflationsdruck erhöht und höhere Zinssätze gerechtfertigt. Dies hätte sich vor allem auf die Aktien- und Anleihenmärkte negativ ausgewirkt. Überdies wird das Weiße Haus wohl verstärkt Kompromisse bei den Staatsausgaben eingehen müssen. Dies dürfte die Sorgen um das prognostizierte Haushaltsdefizit lindern und somit einen zu hohen Druck auf die langfristigen Zinssätze vermeiden.

Ein umfangreiches Programm für Infrastrukturausgaben war ein Kernpunkt von Trumps Wahlkampagne, und der US-Präsident beabsichtigt nicht, darauf zu verzichten. Die Demokraten geben sich bei diesem Thema sehr aufgeschlossen, und sofern die Ausgestaltung dieses Programms keinen ausufernden Haushalt nach sich zieht, scheint ein Kompromiss möglich. Wir könnten demnach einen Schub für die Investitionen erleben, der insbesondere die Sektoren Bauwesen und Ausrüstungsgüter fördern würde. In erster Linie käme dies US-Unternehmen zugute, aber auch europäische Unternehmen könnten hiervon profitieren.

Beim Thema Diplomatie geht es vor allem um die Beziehungen zu China. Bisher konnte Donald Trump die neuen Zölle mithilfe eines Dekrets über die Verteidigung der Interessen der Vereinigten Staaten verhängen, mit dem er die Zustimmung des Kongresses umgehen konnte. Die Demokraten könnten nun ein Gesetz auf den Weg bringen, das dieses Dekret ungültig macht, und hierbei auf die Gegenliebe zählen, auf die diese Initiative im republikanischen Lager stoßen könnte. Denn einige Abgeordnete der Grand Old Party sind für die Klagen der Unternehmen, die sich um die Spannungen im Zuge des Handelskrieges sorgen, empfänglich. Dies ist jedoch nur eine fragliche Annahme. Überdies könnte Donald Trump nun nach der letztlich moderaten Niederlage bei den Midterms der Erzielung eines Abkommens mit China Priorität einräumen und die Wahlkampfrhetorik beiseitelassen.

Für die Liebhaber von Zahlen gibt es zudem noch die schönen Statistiken über die Märkte nach den Midterms. Seit 1950 legte der S&P 500 in den Jahren, in denen Zwischenwahlen stattfanden, von seinem Tief im Oktober bis zum Jahresende durchschnittlich um 10,7 % zu. Bis heute legte er seit seinem Tief vom 29. Oktober bereits um 6 % zu. Gibt es noch Potenzial für eine Kursrally zum Jahresende?

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